Weiter geht's Richtung Tioga-Pass (9.985 ft).

Wir erreichen den Parkeingang auf der Passhöhe um 15.00 Uhr und fahren weiter zum ersten Campground, dem Tuolumne Meadows. Hier gibt es 300 Stellplätze und wir ergattern einen für die nächsten 5 Nächte. Im Park gibt es kostenlose Shuttle Busse, die einen überall hinbringen. Parkplätze sind an den besonderen Attraktionen nämlich rar und daher ist es wohl ökonomischer mit dem Bus zu fahren. Um 16.00 Uhr haben wir endlich unseren Platz B22 bezogen. Der Untergrund ist teilweise felsig, damit meine ich, dass mitten drin einige große Brocken im Weg liegen. Das ist für Hermann eine ganz schöne Rangiererei. Der Dicke soll schließlich einigermaßen gerade stehen. Als wir es endlich geschafft haben, machen wir noch einen Spaziergang zur Bushaltestelle, um uns die Abfahrtszeiten aufzuschreiben. Morgen früh geht es dann zuerst zum Yosemite Valley.


4.9.2015 Zum Glacier-Point und Yosemite Valley

Wir haben gestern eruiert, dass die Shuttle Busse für die Tioga Road halbstündlich an unserem Einkaufsladen/Post abfahren. Es ist ein großes weißes Zelt, in dem es vom Camping-Artikel, über etwas Gemüse oder Obst, hauptsächlich Fertignahrung gibt. Daneben ist das Post Office untergebracht, in dem es aber auch warme Fast Food-Gerichte zu kaufen gibt. Man sieht morgens schon die Amerikaner mit dem unverzichtbaren Kaffeebecher und braunen Papiertüten (was immer da an "Frühstück" drin ist) rumlaufen. Wir warten ca. 10 Minuten an der Bushaltestelle, bis Hermann beschließt, doch lieber mit unserem Dicken zu fahren. Weil...

1. bei uns hier auf 2.700 Meter ist es jetzt 7°

2. unten im Valley sind es jetzt schon 19°

3. zum Glacier Point (wo es auch wieder kalt sein wird) sind es über 130 km. 

Also brauchen wir unterschiedliche Kleidung, unterwegs etwas zu essen, und überhaupt.....

So gehen wir zurück zum Campground, schälen uns aus der bereits angezogenen Wanderkleidung, und fahren los Richtung Glacier Point.

Was gibt es zum Yosemite zu sagen:  Er hat uns 980 Meilen Umweg one-way beschert und... er ist einfach wunderschön!

Alle Berge bestehen aus Granitfelsen und haben eine beindruckende Höhe zwischen 7.000 und 12.000 ft (amerikanische!!!)

Die Parkstraßen sind eng, kurvig und bieten tatsächlich kaum Parkmöglichkeiten. Wo es diese gibt, sind sie rappelvoll mit PKW's. Aber es gibt auch für Rv's reservierte Parkmöglichkeiten. Aber - wie überall - können viele Amerikaner und auch deutsche Touristen nicht lesen!!!

An allen Parkmöglichkeiten gehen Wanderwege zu bestimmten Sehenswürdigkeiten ab. Auch die Kletterer finden hier viele Felsen, die zu besteigen sind. Die Touren dauern von 14 Stunden bis hin zu mehreren Tagen. Da die Aufstiegsdauer, entsprechend dem Schwierigkeitsgrad, unterschiedlich ist. Für alle Besteigungen muss man eine Erlaubnis bei den Rangern beantragen. Für den Half Dome, den man am besten vom Glacier Point aus sehen kann, werden täglich 75 Permits verlost. Auch im Park sind einige Pässe zu erklimmen. Und hier ist wirklich hinter jeder Kurve die Aussicht atemberaubend. Am Glacier Point angekommen, könnte man in der Sonne schon wieder die kurze Hose anziehen, aber im Schatten??? Es sind nur 9°. 

Auf dem Rückweg will Hermann noch ins Yosemite-Village fahren. Dann brauchen wir das nicht mit dem Bus zu fahren, jetzt, wo wir schon mal hier sind! In unserem Reiseführer, der ansonsten sehr gut ist, wird ein kleines Städtchen beschrieben. Das suchen wir allerdings vergebens. Es gibt Motels, Hotels und Campgrounds. Und davon VIELE! Und alles ist rappelvoll - weil das lange Wochenende (Labour Day) bevorsteht und das viele Amerikaner ausnutzen. Wir fahren einmal rundherum und sind enttäuscht. Davon hatten wir uns mehr versprochen.

Aber man muss sagen, dass der Yosemite für Naturliebhaber sehr viel zu bieten hat. Wunderschöne Trails, die es zu laufen gilt. Von 800 Meter Länge bis 24 km ist alles dabei. Jeder kann frei entscheiden, was er sich zumuten will. Wir haben für die nächsten Tage auch ein paar Wanderungen ins Auge gefasst. Mal schauen, was wir schaffen. 

Noch ein Wort zu den Temperaturen:

Bei uns - auf 2700 Meter - haben wir nachts unter 0°. Und tagsüber - auch bei Sonne - max. 14°.

Unten im Tal, Yosemite Village - auf 1700 Metern - nachts 13° und tagsüber bis 23°. 


Ab Dienstag, nach dem Labour Day. werden im Park viele Services eingestellt. Es gibt dann keine Shuttle-Busse mehr, kaum Möglichkeiten einzukaufen - aber auf den Campingplätzen muss auch nicht mehr reserviert werden. Ende September/Anfang Oktober wird der Park dann ganz geschlossen. Dann schneit es hier nämlich schon. Dies ist auch der Grund, warum wir den riesigen Umweg von fast 3.000 km in Kauf genommen haben. Wären wir zuerst zum Grand Canyon gefahren, wäre es für den Yosemite zu spät gewesen. So müssen wir die 1500 km zum Grand Canyon wieder zurück. 


5.9.2015 Wanderung zum Visitor Center 

Wir machen uns nach dem Frühstück zu Fuß auf den Weg zum Visitor Center. Lt. Plan nur 1 Meile durch den Wald. Aber was für eine Meile. Entweder ist der Untergrund felsig oder sandig. Und mit sandig meine ich sehr tief sandig. Ihr kennt alle das Gefühl, am Sandstrand immer einen Schritt vor und dann rutscht man wieder ein Stück zurück. So ist es hier im Wald auch. (Der einzige Vorteil, man verbrennt sich nicht die Füße! Wegen der Wanderschuhe!) Es ist sehr anstrengend, zumal wir beide die Höhe von 2.700 Metern merken. Egal, was man tut, man ist sofort außer Atem. Hinzu kommt, dass wir auch Nasenbluten haben. Auch dies ist, lt. den Rangern, auf die Höhe zurück zu führen. Wir sind aber einmal auf dem Weg und lassen es einfach etwas langsamer angehen. Ist ja nicht so, dass wir zu einer bestimmten Uhrzeit dort sein müssten. Unterwegs treffen wir einen Ranger und drei Touristen, die eine Tour auf dem Rücken der Pferde machen. Das sieht schon sehr toll aus. Die Tiere suchen sich ihren Weg zwischen den Felsen. Auch für sie ist es anstrengend. Denn die Tiere haben die ganze Arbeit des "Weg findens". 


Am Visitor Center angekommen, stellt sich heraus, dass auch hier alles sehr rustikal zugeht. Also, kein Internet! Der Spaziergang was trotzdem toll und auf dem Rückweg gehen wir noch am Store vorbei, um ein Brot zu kaufen. Der Preis ist hier doppelt so hoch, wie im Supermarkt. Ist klar, denn der nächste Supermarkt ist 130 km in die eine Richtung und 80 km in die andere Richtung entfernt. 

Die Fast-Food-Ecke ist wie immer schwer belagert. Nach fast 3 Stunden sind wir wieder zurück am Auto. Und fix und fertig. Hermann holt die Stühle raus und wir können tatsächlich, dick eingepackt in Fleece-Jacken und dicke Thermohosen, noch 2 Stunden im sonnigen Halbschatten sitzen. 

Das ist der Nachteil, wenn der Park mitten in einem Wald liegt. Aber wir wollen nicht meckern. 

Später füllt Hermann noch einen Diesel-Zusatz in unseren Tank. Die Diesel-Qualität hier ist beileibe nicht wie bei uns. Ohne Zusatz kommt unser Dicker schon mal ins Stottern. Den Zusatz haben wir bei NAPA Autoparts gekauft. Hermann fragte auch nach einem Ölfilter für unser Auto. Denn da haben wir ja den Einen, den wir aus Deutschland mit hatten, schon verbraucht. Allerdings hat er sich keine großen Hoffnungen gemacht, dass solch ein Filter hier zu bekommen wäre. Die freundliche Verkäuferin, die während des Verkaufsgesprächs abwechselnd ihren Kaffee geschlürft oder sich Käse-Chips reingefuttert hat, fragte dann einen jungen Mechaniker, der zufällig von einer anderen Firma anwesend war, ob er wüßte welcher Filter für den "Eivico" passen würde.

Er hat nachgeschaut, dann 2 Minuten im Internet recherchiert und schnell kam ein Olfilter auf die Theke, der - zumindest optisch - passen sollte. Genau werden wir das erst wissen, wenn der nächste Ölwechsel ansteht. 


6.9.2015 Wanderung zu den Hot Springs (3,6 km lt. Plan)

Wir wollen nicht den ganzen Tag am Auto zubringen und entschließen uns, die kurze Wanderung zu den Hot Springs zu machen. Eine sehr soda- und eisenhaltige Quelle, die die Pioniere 1806 gefunden haben und gleich mit einem Schutzhaus versehen haben, damit herumlaufende Tiere, das Wasser nicht verschmutzen. Bis auf das Dach steht dieses Schutzhäuschen noch im Original da. Dieser Weg war uns nun noch ein wenig zu kurz und Hermann beschließt, wir gehen noch ein Stück weiter und um den großen Felsberg herum. Aus den 3,6 km sind dann schlußendlich 4,8 km geworden. Wir haben unterwegs Rehe und einen Fuchs gesehen. Der Rest des Tages ist FAULENZEN!


7.9.2015

FAULENZEN! Nee, nicht ganz. Das Auto wird vormittags aufgeräumt und gesäubert. Dann gibt es Speckpfannkuchen und danach gibt es FAULENZEN!


Das waren unsere 5 Tage im Yosemite Nationalpark. Den Park kann man - trotz der großen Entfernungen zu den Highlights- locker in 2 Tagen erledigen. Aber wir müssen ja den Labour Day abwarten. Danach kann man wieder ohne Stellplatzprobleme weiter fahren.