25.8.2015 14.00 Uhr Einfahrt in den Yellowstone Nationalpark

Kurz vorher - gleich an der Staatsgrenze zu Wyoming- gibt es den Ort Yellowstone West, der natürlich nur von den Besuchern des Nationalparks lebt. Hier finden wir auch die riesige Visitor Information. Nach 20 Minuten sind wir mit Infomaterial von 5 cm Höhe bestückt und müssen das erst mal studieren. Wir befinden uns hier immerhin schon auf 2.052 m Höhe. 

Kurz nach dem Eingang (West) begegnen uns schon die ersten Rehe und Hirsche. Am Flussufer lagert gleich eine ganze Familie. Der Chef läuft uns direkt vors Auto. Es geht weiter ostwärts, bis wir bei Madison Junction nordwärts fahren. Wir halten bei den Gibbon Falls, danach geht es weiter zur heißesten Quelle des Parks, Beryl Spring.  Ein paar Kilometer weiter geht's rechts ab Richtung artists paintpots. Es geht über boardwalks und Geröll ca. 1,2 Meilen rund um die "Farbtöpfe". Überall riecht es natürlich nach Schwefel und je nachdem wie der Wind weht, kriegt man auch schon mal heißen Dampf ab. Klar, ist uns ist ja kalt! Bei 41°! Nein nicht Fahrenheit, Celsius! Die nächsten beiden Campgrounds, die wir anfahren, sind alle schon voll. Man muss aber einen Campground anfahren, da das freie Übernachten im Park verboten ist. Auf der Straße sind auch noch Bauarbeiten, so daß wir 20 Minuten auf das pilot car warten müssen und dann geht es, quälend langsam, über festgestampfte Erde über 5km voran. Endlich gibt es wieder freie Fahrt und 15 Kilometer weiter erreichen wir den campground Indian Creek. Er ist schon sehr voll, aber 4-5 Plätze gibt es noch. Danke, wir brauchen nur einen. Der ist schnell gefunden und nach 2 Bier sind wir "fertig". Wir wollen nicht mehr draußen sitzen (bei 12° abends auch nicht mehr wirklich schön - dafür mückenfrei!), nicht mehr Karten spielen, wir wollen nur noch unsere Ruhe. Entsprechend früh gehen wir dann auch zu Bett. 


26.8.2015 Upper Loop von Indian Creek bis Mammoth Hot Springs und noch 15 km Richtung Tower-Roosevelt

Die Hälfte der Westseite des Upper Loop sind wir gestern schon gefahren bis Indian Creek, wo wir auch übernachtet haben. Gleich heute morgen bezahlen wir wieder den Platz für heute Nacht. Damit ist schon einmal sichergestellt, dass wir einen Übernachtungsplatz haben. 

Danach machen wir uns auf den Weg Richtung Mammoth Hot Springs zu den Sinter-Terrassen. Wenige Kilometer vom CP entfernt, sehen wir den ersten Bison-Bullen. Er hat direkt neben der Straße im hohen Gras gelegen. Durch die anhaltenden Fahrzeuge gestört, erhebt er sich langsam und trottet weiter hinein ins weite Grasland. Danach müssen wir den Bunsen-Pass bis auf 2.610 m  hinauf fahren. Dann geht's wieder abwärts nach Mammoth Hot Springs. Kurz vor dem kleinen Ort treffen wir auf die riesigen Sinter-Terrassen. Überall brodelt oder sprudelt es und es riecht stark nach Schwefel. Die einzelnen Töpfe haben die unterschiedlichsten Farben. Wir laufen bestimmt 1,5 Stunden über die bordwalks kreuz und quer über die Terrassen. Besonders schön ist der Abhang hinunter zum Ort. Dort sammelt sich das heiße, in dem Falle blaue Wasser, in kleinen runden "Badewannen", bevor es dann bergab rinnt. Im Ort beim Visitor Center erfahren wir, dass man den von uns ausgesuchten nächsten Campingplatz in Norris nicht vorab reservieren kann. Es gilt wieder das System: First come, first serve. Also, dann müssen wir morgen zeitig aufbrechen, zurück Richtung Norris fahren, um dort für die nächsten 2 Nächte einen Platz zu ergattern. Dummerweise liegt genau auf diesem Abschnitt die Großbaustelle. Wir werden wieder auf das pilot car warten müssen und durch den Schlamm zockeln. Aber nur morgen, denn danach fahren wir von Norris aus den Upper Loop entgegen dem Uhrzeigersinn. Kurz nach 14 Uhr verlassen wir Mammoth und fahren noch ca. 15 km Richtung Tower-Roosevelt. Unterwegs sehen wir noch einen Hirsch und mehrere Bisons. Auch zwei Wasserfälle sind noch zu bestaunen. Danach gehts zurück nach Indian Creek auf unseren Campingplatz, der sich heute, im Gegensatz zu gestern, überhaupt nicht füllt. Von den 70 Plätzen sind höchstens 30 belegt. So kanns also gehen, einen Tag überfüllt und am nächsten Tag Platz satt. Obwohl es heute nur 29° waren, hatten wir das Gefühl, es wäre wärmer als gestern. Ob das an den vielen Regenwolken am Himmel lag?


27.8.2015 Upper Loop von Norris über Canyon Village nach Tower-Roosevelt

Zuerst wollen wir heute ganz früh zum Norris Campground. Er liegt für unsere nächsten Tagesetappen günstiger. Bevor wir jedoch aufbrechen, klopft es an unsere Türe. Schau an, es sind Viola und Klaus, die wir das letzte Mal in Skagway gesehen haben. Sie sind eine andere Strecke gefahren als wir. Da wir aber immer wieder über whatsapp in Kontakt geblieben sind, konnten wir uns jetzt hier treffen. Sie sind allerdings einen Tag zu spät, da sie noch Ärger mit ihrem Kühlschrank hatten und in eine Werkstatt mussten. Sie sind gestern abend gegen 22 Uhr eingetroffen und wollten uns dann auch nicht mehr stören. Wir können auch nur das Nötigste reden, schnell einen Kaffee trinken, denn wir müssen los zum Norris, sonst ist nachher kein Platz mehr frei. Wir verabreden uns für morgen auf dem Norris. Dann wollen sie auch den CP wechseln.

Wir machen uns also auf den Weg und sind um kurz vor 10 Uhr da. Bei unserer ersten Runde über den Platz sind zwar noch Plätze frei, aber die sind entweder für Zelte oder für uns viel zu schräg. Dieser Platz hier liegt auf 2300 Meter Höhe und ist daher auch hügeliger. Bei einer zweiten Runde finden wir einen sehr schönen, ebenen Platz. Wir tragen uns direkt für 2 Tage ein. Danach brechen wir zu unserer Tagestour auf. Zuerst müssen wir nach Canyon Village. Wir möchten die letzten 2 Nächte auf dem Madison CP verbringen. Dafür muss man allerdings reservieren. Da die normalen Telefone hier im Park alle kein Netz haben, gibt es in den Visitor Centern sogenannte Reservierungstelefone. Eine freundliche Rangerin wählt sogar die Nummer für uns und schnell habe ich einen Agent am Apparat. Bis auf meine Blutgruppe wollte er wirklich alles wissen. Danach gabs einen Reservierungscode und schon sind unsere Übernachtungen auf dem Madison CP com 29.-31.8.2015 reserviert. Wieder auf der Straße nach Norden kommt uns als erstes ein großer Bison-Bulle auf der Straße entgegen. Hermann kann nur ganz schnell 2 Fotos machen, das schönste haben wir ausgesucht. Wir haben heute 130 Fotos gemacht, am liebsten würde ich sie Euch alle zeigen. Aber das sprengt wirklich den Rahmen. Eigentlich sollten es auch jeden Tag nur 10 Fotos sein, aber das reicht einfach nicht. Ich hoffe, Ihr habt die Geduld Euch die alle anzusehen. Flott geht es Richtung Tower Fall, einem beeindruckenden Wasserfall mit wunderschöner Kulisse. Dazu mussten wir den Dunrevan Pass mit einer Höhe von 2.700 Metern überqueren. Auf dem Rückweg der nächste Bison-Bulle auf der Straße, diesmal direkt vor unserem Auto. Wo sind eigentlich die Mädels? Wir sehen nur Bullen. So wird das nix mit dem Fortbestand der Art!

Da es zwischen Tower Roosevelt und Canyon Village nicht so viel zu sehen gibt, sind wir bereits mittags am Canyon des Yellowstone River.

Es gibt einen North Rim (also Nordseite) und einen South Rim. Bei beiden muss man viel laufen. Da wir von Norden kommen, fahren wir zuerst den North Rim. Zuerst geht es zum "Brink of Lower Falls". Hier stürzen pro Sekunde 141.809l Wasser 93 Meter in die Tiefe. Es geht sehr steil von der Straße aus über 180 m tiefer. Dort kann man auf einer Plattform direkt am Wasserfall stehen. In der Gischt des niederstürzenden Wassers bilden sich ganz zarte Regenbogen. Wunderschön. Wir verbringen den ganzen Nachmittag an den verschiedenen Aussichtspunkten und fotografieren den Canyon und den Fluss von allen Punkten aus. Wir sind BEGEISTERT. (Und Ihr müsst deswegen so viele Fotos gucken.)

28.8.2015 Vom Norris CP nach Bridge Bay

Morgens machen wir uns früh auf den Weg um die Ostseite der unteren Hälfte der Acht zu erkunden. Dazu müssen wir erst die 19 km lange Querverbindung von West nach Ost fahren. Dann ist man in Canyon Village. Die acht größeren Education Center haben immer ein riesiges Hotel und natürlich die, für die Amerikaner unverzichtbaren Fast Food Anbieter und Coffee-Shops im Angebot. Wir fahren daher nur daran vorbei und machen uns auf den Weg - immer am Yellowstone River entlang - nach Bridge Bay, einem CP am Yellowstone Lake. Auf den Wiesen rechts und links des Flusses sehen wir riesige Bison-Herden. Wir zählen zum Schluß 10 Herden mit mindestens je 100-200 Tieren. Da die kleinen Kälber dabei sind, heißt es äußerste Vorsicht walten zu lassen. Die Ranger bitten um einen Sicherheitsabstand von mindestens 50 Metern. Ein wütendes Bison läuft 12x so schnell wie der Mensch. Und allein dieses Jahr sind wieder 12 Menschen zu Tode gekommen und weit über hundert wurden verletzt. Wir haben Leute beobachtet, die sich einem Bullen bis auf 5 Meter genähert haben. Und in dem Moment kam noch eine Spaziergängergruppe von hinten. Der Bulle wusste überhaupt nicht mehr wohin. Gott sei Dank sind dann alle vorsichtig rückwärts gegangen, so dass das Tier wieder etwas Bewegungsspielraum hatte. Die Dummheit der Menschen ist unglaublich! Weiter auf der Strecke gibt es zwei Haltepunkte für aktive Schlamm-Geysire und Schwefel-Quellen. Auch hier machen wir Halt und laufen die jeweils 1,2 km und 800 Meter. Es geht größtenteils immer über Bordwalks. Das umliegende Terrain darf nicht betreten werden. Es sieht manchmal aus wie feste Erde, aber es ist nur eine Kruste und darunter brodelt es dann. Da alle Quellen, Geysire und Tümpel Temperaturen zwischen 60° und 93° aufweisen, kann man sich vorstellen, wie gefährlich das ist. 

In BridgeBay angekommen, fahren wir auf den dortigen CP und entsorgen erst einmal. Ein Stück weiter gibt es dann auch gleich Frischwasser. Wobei in den Parks streng zwischen Trinkwasser und Nicht-Trinkwasser unterschieden wird. Das Gute füllen wir in unseren Tank und in mitgebrachte Kanister, das andere nutzen wir überhaupt nicht. Aber die Zelter nehmen es für den Abwasch. 

Danach geht es den gleichen Weg wieder zurück. Wir unterbrechen noch einmal für einen Halt am Südufer des YellowstoneRiver. Hier kann man an drei Punkten den Wasserfall besehen, den wir gestern vom Nordufer gesehen haben. Die Canyon-Wände an sich sind absolute Eyecatcher, aber das Gesamtbild mit Wasserfall, Canyon-Wänden und dem Fluß ist spektakulär. 

Danach gehts ohne Unterbrechung zur Übernachtung wieder auf den Norris Campingplatz. Morgen früh wechseln wir auf den Madison CP, wo wir für 2 weitere Nächte reserviert haben. 

29.8.2015 Von Norris nach Madison und dann zum Old Faithful Geyser

Da wir erst ab 11.00 Uhr auf dem Madison einchecken können, schauen wir morgens in aller Frühe das Norris Geyser Basin an. Kurz hinter dem Museum geht es auf den 3,6 km langen Rundweg. Wir sind 3 Stunden unterwegs. Überall auf dem Geysir-Feld zischt und dampft es, es brodelt wie in vielen Kochtöpfen und der Steamboat-Geyser "röhrt" kurz vor dem Ausbrechen immer. Dazu kommt ein ständiger Schwefelgeruch, mal mehr, mal weniger. Schade, dass es keine Geruchsbilder gibt.

Danach fahren wir zum Madison CP und siehe da, man findet sofort unsere Reservierung und wir bekommen einen Drive Thru-Platz angewiesen. Den brauchen wir zwar überhaupt nicht, aber wenn die Ranger das so möchten, bitte sehr. Es gibt wieder den üblichen Vortrag, immer den Platz sauber zu halten, alle Lebensmittel und Getränke im Fahrzeug oder in den "Bear-Boxen" zu verstauen. Das sind Kommoden-große Blechcontainer, die selbst für uns schwer aufzumachen sind. Darin sind die Lebensmittel "bärensicher" verstaut. Kein Campfeuer unbewacht zu lassen und sich immer vergewissern, dass es auch wirklich aus ist. Da wir noch nicht auf dem Platz bleiben wollen, machen wir uns auf den Weg die Westseite herunter zum Old Faithful Geyser. Der bricht ca. alle 1-1,5 Stunden aus und schießt sein Wasser dann 30-55 Meter hoch in die Luft. Natürlich mit viel Dampf und Geräuschen. Wir könnten hier einen 8,1 km langen Trail an mindestens 30 Geysiren vorbei gehen. Aber wir haben genug von Dampf, Wasser und Geruch. Ausserdem machen die Amis mal wieder "LasVegas" aus diesem Naturschauspiel. Hotel, Fressbuden, Kinder-Belustigung. Alles schrecklich voll. Man hört alle Sprachen und der Parkplatz ist riesig. Aber wir wollen nur noch weg. Für Morgen nehmen wir uns noch 3 kleinere Basins vor. Die konnten wir heute nachmittag nicht anfahren, da alle Parkplätze bis zum Überlaufen gefüllt waren. Um 17.00 Uhr sind wir wieder auf dem CP und brauchen erst einmal eine Ruhephase. 

30.8.2015 Von Madison zu den beiden mittleren Geyser-Basins untere Westseite

Heute Schlafen wir aus, weil wir nur noch 3 Geyser-Becken besuchen müssen, die wir gestern nicht mehr geschafft haben, weil die Parkplätze gerammelt voll waren. 

Diesmal finden wir überall sofort einen Parkplatz, aber heute kommen wir uns vor, als würden wir in China Urlaub machen. Die letzten Tage haben wir immer mal wieder größere Gruppen gesehen, aber heute - ? Wir haben noch nie so ein selbstverliebtes Volk gesehen. Durch die Naturschönheiten wird durchgehetzt, schnell vor diesem Geyser ein Selfie, dort machen ein paar Damen Porträtaufnahmen mit und ohne Tuch. Es ist einfach schrecklich. Selbst die jungen Leute machen sich vor einer Kameralinse zum Affen. 

Neueste Mode? Das Tablet, die Flugdrohne und Mikrofone. So kann man noch besser alles von oben filmen. Aber nicht die Natur, sondern sich selber. 

Egal, wir besuchen unsere drei Geyser-Becken und machen, mal wieder, viel zu viele Fotos. Man muss schon sehr strikt die Auswahl treffen, sonst ufert es aus. Aber den Bison-Bullen mitten zwischen den Geysern, das ist wirklich ein seltenes Foto. Was der Kerl wohl an dem heißen und wie Essigsäure schmeckendem Wasser findet? 

Mittags sind wir mit unserer letzten Besichtigungstour durch den Yellowstone fertig. Wir waren jetzt 5 1/2 Tage voll beschäftigt. Wie man das in 1 Tag oder in 2 Tagen schaffen soll, wir wissen es nicht. Es sei denn, man macht es wie die amerikanischen Wohnmobilfahrer: Auf der Straße anhalten, ein Foto aus dem Seitenfenster, weiterfahren. Angehalten wird nur, wenn es irgendwo einen Kaffee zu kaufen gibt oder was zu essen.

Wir verlassen morgen den Yellowstone und machen uns auf zum Grand Teton NP, der direkt im Süden anschließt. Danach müssen wir 900 Meilen Überführung fahren zum Yosemite NP. Den müssen wir im September erledigen, da er sehr hoch liegt und dort früh der Schneefall einsetzt. Aber erst mal eins nach dem anderen.