13.11.2015 Mojave Wüste

Trotz mordmäßigem Muskelkater - es hilft nichts - raus aus den Federn! Es geht weiter Richtung "Herz der Mojave". Es ist ein uraltes Stück der Route 66, welches wir von Amboy bis zum Abzweig nach Kelso fahren. Im weiteren Verlauf ist die Route 66 für jeglichen Verkehr gesperrt. D.h., alle müssen jetzt die Kelso-Cima-Road fahren und deshalb wird es auch ein bisschen lebhafter. Im Joshua Tree NP haben wir ja schon einiges an diesen Bäumen gesehen, aber hier sind sie viel größer und höher und dazu noch zahlreicher. In Kelso, einer früheren Rinder-Verladestation, gibt es nur noch den alten Bahnhof, der allerdings wunderbar restauriert wurde. Auf der anderen Straßenseite stehen ein paar Häuser (max. 10) und das war's dann schon von Kelso. Wir fahren weiter Richtung Cima, auf dem Weg gibt es einen Abzweig zu einem Campingplatz hoch oben in den Bergen. Wir überqueren die Bahngleise und wenden uns Richtung Berge. Dann überholt uns ein Jeep und braust vorweg. Der will bestimmt der Erste sein. Ich mache Hermann darauf aufmerksam, dass es weit voraus aber verdächtig staubt. Und tatsächlich - jetzt geht es nur auf Schotter weiter. Nee, danke! Umgekehrt und schnell wieder auf asphaltierte Fahrbahndecke. Da hier ja "open land" ist und wir einen schönen Platz ein Stück weiter genau zwischen den Joshua Trees finden, beschließen wir mal wieder "roadside camping" zu machen. Die Nacht ist ruhig und wieder funkelt über uns ein phantastischer Sternenhimmel. In der Nacht auf den 17.11. soll es über Nevada einen Sternschnuppen-Regen geben (bis zu 150 Sternschnuppen in der Stunde). 

14.11.2015 Heute müssen wir nach Las Vegas

Die "Heimattruppe" hat ganze Arbeit geleistet und der von uns gewünschte Kupplungsgeber-/nehmer-Zylinder ist versandbereit. Jetzt muss nur noch der ADAC das Teil abholen und dann können wir es - hoffentlich - bald hier in Empfang nehmen. Wir haben von einem holländischen Ehepaar, welches wir an den Niagara Falls kennen gelernt haben, die Adresse eine Campingplatzes hier in Las Vegas bekommen, wo man für ca. 100 $ die Woche stehen kann. Er liegt zwar 4 Meilen vom Strip entfernt, ist dafür aber wesentlich komfortabler und ruhiger als der Platz am CircusCircus-Hotel, wo wir das letzte Mal gestanden haben. Um 11.00 Uhr sind wir hier und erhalten neben zahlreichem Info-Material, direkt noch ein paar Tips, wie zum Strip (Bus), wie zum Einkaufen (Auto) und das Beste: eine RV-Werkstatt ist direkt nebenan (Reifen wechseln und teilweise erneuern, Spur einstellen etc.). Auf die Frage, wo man ein RV waschen lassen kann, bekommen wir die Antwort: Macht es doch selbst, hier an Eurem Stellplatz! (Wie war das nochmal mit dem Umweltschutz?)

Dann schickt Kevin uns plötzlich eine Nachricht, wir sollten mal die Nachrichten einschalten: In Paris hat sich ein Anschlag ereignet. Wir loggen uns ins internet ein und es gibt noch Spätnachrichten. Es ist schrecklich, was dort passiert ist. 

Nachmittags unterhalten wir uns mit einigen Amerikanern, die von uns wissen wollen, was da passiert ist. Sie sind alle sehr erbost und haben keinerlei Verständnis für das Verhalten der europäischen Politiker. Ganz ehrlich - wir auch nicht!


15.11.2015

Der Sonntag gehört ganz der Reinigung: Es wird Wäsche gewaschen, innen gereinigt und Hermann muss außen noch ein paar Harzflecken entfernen, die wir uns unter irgendwelchen Bäumen geholt haben. Dann steigt er uns auf Dach und reinigt und poliert alle Dachluken. Danach haben wir wieder klare Sicht, auch auf den Sternenhimmel. Nachmittags schauen wir mal im Internet nach, wie es so aussieht mit Flügen in die Heimat zu unserem Wunschtermin: Mitte Mai 2016! Und wir werden schnell fündig. Die Condor fliegt ab dem 13.Mai wieder in die Staaten und wir kriegen den ersten Flug zurück in die Heimat. Dann noch eine mail an Seabridge mit unseren Flugdaten und der Bitte um ein "passendes" Schiff. Von Viola und Claus-Dieter wissen wir schon, dass Seabridge erst im Dezember die neuen Fahrpläne der Schiffe bekommt. Da werden wir uns mit der Antwort wohl gedulden müssen. Unsere laptop-Batterie hat nach 5 Jahren den Geist aufgegeben. Wir brauchen also dringend Ersatz. Das ist ja heute mit dem internet überhaupt kein Problem. Wir bestellen bei einem amerikanischen dealer und erhalten kurz darauf bereits die mail, dass der Versand am 16.11. erfolgt und die Ware spätestens 2 Tage später bei uns hier auf dem Campingplatz eintrifft. 

Danach finden wir, dass wir genug gearbeitet und organisiert haben und ruhen uns - mal wieder - aus.


16.11.2015 Las Vegas

Heute müssen wir zum Reifenhändler. Der direkt neben unserem Campingplatz liegende RV-Händler macht nämlich nur Reparaturen

an den Aufbauten etc. Also nichts an den Reifen oder sogar an der Spureinstellung. Von unserem Campingplatz-Nachbarn - einem Australier, der jeweils 6 Monate hier und 6 Monate in Australien lebt - erfahren wir, dass hier der Reifenhändler nur Reifen wechselt und nicht die Spur einstellt. Dazu muss man in eine Spezialwerkstatt. Davon gibt es genau EINE in Las Vegas. Aber zuerst müssen wir unter den zahlreichen Reifendiensten den finden, der auch Truck-Service anbietet. Bei der 2. Werkstatt haben wir Glück. Sie verweisen uns an eine andere Zweigstelle, wo die Arbeiten an unseren Reifen ausgeführt werden können. Leider sind noch 2 LKW vor uns. Da es nur einen Monteur gibt, rechnen wir schon damit, dass wir den Tag hier verbringen werden. Und so ist es auch. Um genau 17.00 Uhr velassen wir das Gelände mit 2 neuen, (die wir aus D mitgebracht haben) und 4 ummontierten, neu ausgewuchteten Reifen. Es war eine sehr zeitaufwändige, mehrstündige Angelegenheit und wir zahlen dafür lediglich 132 $. Von diesen Preisen träumen wir in Deutschland. Das ist uns schon bei unserem Ölwechsel in Canada aufgefallen: Service-Arbeiten werden günstig angeboten. Wir geraten bei der Rückfahrt in den Berufsverkehr und so brauchen wir für nur 6 Meilen fast eine halbe Stunde. Wie bei uns! Wir haben neue emails, die uns zwei wunderbare Nachrichten übermitteln: 1. unser Ersazteil aus Deutschland ist auf dem Weg und 2. die bestellte Batterie für den laptop wird Mittwoch geliefert. Das paßt prima, denn morgen wollen wir noch zu der Werkstatt, die die Spur einstellt. Heute war es den ganzen Tag windig und da der Wind von den schneebedeckten Bergen herunterbläst auch noch s..kalt. 


17.-20.11.2015 Las Vegas

Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg zur Werkstatt, die die Spur - hoffentlich - einstellen kann. Es sind 11 Meilen dorthin und natürlich ist es einmal quer durch die Stadt. Es ist ein Riesengelände, wo u-förmig alle Arten von Auto-Reparaturarbeiten von verschiedenen Firmen angeboten werden. Ganz hinten ist "unsere" Werkstatt, die Spureinstellungen vornimmt und Stoßfämpfer austauscht. Die junge Dame im Büro meint, dass wir einen Termin für morgen vereinbaren sollten. Na prima, dann wieder durch die ganze Stadt und unsere Pakete sollen auch morgen kommen, da wollen wir lieber am Campingplatz bleiben. Hermann fragt noch einmal nach, ob es vielleicht nicht doch heute gehen würde? In dem Moment kommt der Werkstattbesitzer und erklärt, wenn wir 2 Stunden Wartezeit in Kauf nehmen würden, dann würde er uns die Spur noch heute einstellen. Gott sei Dank! Wir warten ein bisschen und schauen uns in der Zwischenzeit die verschiedenen Werkstätten genauer an. Eine Autolackiererei interessiert Hermann natürlich besonders. Wo in D nur noch austauscht wird, wird hier noch ausgebeult und repariert. Diese Arbeiten könnte in Deutschland keiner mehr bezahlen. Vielleicht fahren deshalb hier so viele Oldtimer herum? Nach einer kurzen Probefahrt rollt unser Auto auf die Bühne und die Arbeiten können beginnen. Eine Stunde und eine weitere Probefahrt später, werden wir ins Büro gebeten. Wir bekommen 10% Preisnachlass (der bestellte Ölwechsel konnte nicht durchgeführt werden) und bezahlen 85 $. Als wir wieder auf dem Campingplatz sind, erwartet uns schon das Paket vom ADAC. Nicht mal 24 Stunden hat es gedauert, von der Abholung in Meerbusch bis zur Auslieferung in Las Vegas. Wir können uns gar nicht genug bei allen Beteiligten bedanken. Es hat hervorragend geklappt. 

Mittwoch wird mal wieder gefaulenzt und Hermann führt noch einige Kleinreparaturen aus. 


Am Donnerstag fahren wir einkaufen. Danach geht's zu at&t, dort müssen wir unsere amerikanische Telekonkarte für die nächsten vier Monate (wenn wir in Mexico sind) aufladen. Wir haben einen Tarif gewählt, der Mexico und Canada einschließt. Sofern also an der Baja California Telefonantennen aufgestellt sind, sollte es auch mit dem Internet und der Telefonie funktionieren. Danach geht's - wen wundert's - mal wieder ans andere Ende der Stadt zum AAA. Dies ist der amerikanische Automobilclub, der mit dem ADAC zusammen arbeitet. Dort wollen wir mehr Informationen zur Baja und Straßenkarten erfragen. Dann brauchen wir noch die separate Autoversicherung für Mexico. Mal abgesehen, von der sehr unfreundlichen jungen Dame, die uns zuerst äußerst unwillig begrüßt hat und uns dann - angeblich - nicht verstanden hat, schaltet sich ihr Chef ein (der hat uns sofort verstanden, obwohl er etwas weiter weg stand) und bringt uns Straßenkarten. Weitergehende Informationen zu Mexico habe er leider nicht. Und eine mexicanische Autoversicherung kann man hier nur abschließen, wenn man US-Bürger ist und im Besitz eines amerikanischen Führerscheins. Wir müssten diese Versicherung an der Grenze bei einem mexicanischen Versicherungsagenten abschließen. Dazu benötigten wir unseren deutschen Führerschein und den internationalen. Endlich kommen die auch mal zum Einsatz. Er erklärt uns noch, dass man die Versicherung immer für einen ausreichend langen Zeitraum abschließen soll. Wenn man den Versicherungszeitraum überzieht (d.h., wenn man 2-3 Tage länger bleibt), kostet jeder Tag eine empfindliche Strafe (er sprach von ein paar hundert Dollar pro Tag). Wir werden uns daher an der Grenze genau erkundigen und ausreichend Reservetage einplanen.

Wir haben jetzt alles erledigt und können wieder zum Campingplatz fahren. Dort angekommen, erwartet uns bereits die ups-Sendung mit der neuen Batterie für unseren laptop. Also auch das ist erledigt. 


Freitag haben wir uns frei gehalten für den strip. Heute wollen wir alles mal bei Tageslicht anschauen. Das heißt nicht, dass wir nicht bis zum Abend bleiben. Denn noch einmal Bellagio wäre schon schön. Ansonsten freuen wir uns darauf, wenn wir morgen die Stadt verlassen. 

Es nervt selbst nach einer Woche immer noch, wenn ständig Flugzeuge ankommen und wegfliegen. Vor 2008, der grossen Finanzkrise, waren es jährlich 39 Millionen Besucher in Las Vegas. Seit 2009 ging die Zahl auf 36 Millionen herunter und stagniert dabei. In der Stadt gibt es mittlerweile (und die Zahl wächst täglich) 150.000 Hotelbetten. Ca. 80% aller Besucher kommen und gehen mit dem Flieger und es gibt nirgendwo in der Stadt eine Stelle, wo man dem Lärm entgehen kann. Um 22.00 Uhr sind wir nach fast 6 Stunden wieder zurück. Wir haben den Strip jetzt mal bei Tageslicht gesehen. Und später dann in all seinem Glanz. Diese Stadt ist wirklich "gespalten". Auf der einen Seite all der Glamour und Luxus. Da werden in den Casinos an den Spieltischen, wo ein Minimum-Einsatz 50$ beträgt, die Chips stapelweise verschoben, die Drinks gibt's vielerorts für die Spieler gratis. Die Klientel setzt sich aus Amerikanern (natürlich!), aber auch genau so vielen Ausländern zusammen. Vorherrschend sind die Japaner, Chinesen und Russen. Alle laufen mit großen Gucci, Chanel oder Zara Tüten durch die Hotelhallen. Selbst die kleinsten Kinder liegen schon in Markenware in ihren Kinderwagen. Und auf den Straßen Kriminalität und Armut. Viola und Claus-Dieter haben ja direkt an ihrem ersten Abend in Vegas einen Toten auf offener Straße gesehen, wir haben heute zahlreiche Festnahmen auf dem Strip mitbekommen. Und dazu alle 10 Meter auf diesem Glamourstrip ein Obdachloser, der um Essen oder Geld bettelt. 

Morgen verlassen wir diese Stadt und sind nicht besonders traurig darüber. 

21.+ 22.11.2015 Red Rock Canyon und Lake Mead

Früh morgens verlassen wir Vegas in westlicher Richtung. Wir wollen heute den Red Rock Canyon anschauen. Dies ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel der zahlreichen Kletterer aus der Gegend. Als wir um 10 Uhr den Campground anfahren, um erst einmal einen Platz zu reservieren, stellen wir fest, dass der Campground bereits voll ist. Wir sprechen mit dem zuständigen Ranger und er erklärt uns, dass hier alles voll ist auch die sogenannten "overflow" Plätze (das sind die Ausweichplätze, die ausnahmsweise belegt werden können, wenn der Campground bereits voll ist) sind schon alle belegt. Er verweist uns auf die Plätze am Lake Mead, da hier keine anderen Campgrounds (außer denen in Vegas) in der Nähe sind. Wir fahren allerdings erst die 13 Meilen Panoramastraße durch den Red Rock Canyon. Es ist eine Einbahnstraße und deswegen können am Straßenrand die Autos parken. Auch hier macht sich das Wochenende bemerkbar. Viele Kletterer "hängen" schon in den Wänden. Die Felsformationen sind mit den vielen Farbtönen wunderschön. Wir sind nach 1 1/2 Stunden durch und fahren wieder ostwärts (quer durch Vegas) Richtung Lake Mead. Den uns empfohlenen Campground Las Vegas Bay finden wir schnell und genießen den Rest des Tages die vollkommene Ruhe, die nur ab und an durch ankommende Wohnmobile unterbrochen wird. Morgen bleiben wir auch noch hier, bevor wir uns Montag nach Süden wenden - immer am Colorado River entlang.