26.9.2015 Auf zum Grand Canyon

Heute müssen wir 129 Meilen zum Abzweig der Straße zum Grand Canyon North Rim fahren. Vorher müssen wir allerdings dringend einen Supermarkt finden, der ein bisschen mehr Auswahl hat, als nur Milch und Brot und Fertig-Sandwiches. In La Verkin finden wir einen kleinen Supermarkt, aber wenigstens gibt es frisches Gemüse und Obst. Als Hermann mit unserer Visakarte bezahlen will, funktioniert das nicht. Der Kassierer erklärt uns, dass nur Kreditkarten angenommen werden, die im Staat Utah ausgestellt sind. Hä? Wo sind wir denn? Wir haben schon auf der ganzen Welt mit der Karte bezahlt und hier wird sie nicht genommen? Nein! Uns bleibt nichts anderes übrig als zum Auto zu gehen und Bargeld zu holen. Als alles verstaut ist, können wir endlich los. Es geht wieder steil aufwärts bis wir auf einer Höhe von 2.500 Metern sind. Ab dann gehts Richtung Süden. Um 15.00 Uhr sind wir in Jacob Lake, dem Abzweig der 67 Richtung Grand Canyon. Von hier sind es weitere 45 Meilen bis zum Park. Den Campground im Park muss man reservieren. Der hier, in Jacob Lake, funktioniert nach "first come, first serve". Wir bekommen einen schönen Platz und bleiben hier. Der Dicke muss dringend geputzt werden. Der Sturm im Zion hat alles mit feinem Staub überzogen. Aber heute werden erst einmal die Teppiche gereinigt, dann geputzt und alles wieder schön eingeräumt. In den nächsten Tagen kommen dann die Möbel dran. Wie hatte ich damals Ingeburg in Oberstdorf gefragt: Ist es denn da sehr staubig? Antwort Ingeburg: Du wirst Dich noch wundern, den Staub hast Du überall! GENAU!

 

27.9.2015 Grand Canyon North Rim und Red Rock Canyon

Lustigerweise gilt im Grand Canyon eine andere Zeit als sonst in Arizona. Der Parkzeit ist eine Stunde früher. D.h., wir stehen normal auf und frühstücken und sind trotzdem schon um 7.30 Uhr unterwegs. Entsprechend wenige Autos sind unterwegs. Gott sei Dank! Denn der erste Abzweig, den wir nehmen zum Imperial Point, ist eine sehr schmale Straße, die sowieso nur mit Fahrzeugen bis 9 Meter Länge befahren werden darf. Wegen der Haarnadelkurven dürfen auch keine Wohnwagen mitgenommen werden. Dafür gibt es jeweils am Parkeingang spezielle Abstellplätze. 23 km geht es erstmal zum Imperial Point. Unterbrochen wird die Strecke immer wieder durch zahlreiche Aussichtspunkte. Es gibt z.B. das Angels Window, ein Fenster in einer Feldwand, das durch reine Errosion, d.h. Wind und Regen entstanden ist. Darüber befindet sich ein Felsplateau, das von von einem anderen Aussichtspunkt begehen kann. So langsam verliere sogar ich meine Höhenangst. Man muss die Aussichten einfach genießen. Auf ganz engen Wegen und direkt am Abgrund (Nein, hier gibt es dann keine Geländer oder sonstige Absicherungen!) gehe ich immer hinter Hermann her und behalte seine Füße im Auge, dann brauche ich ja nicht runter gucken. Aber ich bin nicht alleine, wie man an den klammernden Händen einiger Damen sehen kann. Und trotzdem gehen alle bis ans Ende des Weges. Danach geht es weiter zum Visitor Center und weiter zum nächsten Aussichtspunkt. Es gruselt uns wirklich, wenn die jungen Leute ganz nach vorne auf die Felsnasen steigen. Es ist zwar verboten, aber was tut man nichts alles für ein gutes Fotomotiv! Egal, wenn es da 4-5 Hundert Meter runter geht. Nach Ablaufen aller Aussichtspunkte verlassen wir nachmittags den Park und machen uns auf den Weg auf die Südseite. Es sind zwar Luftlinie nur 16 Meilen, aber über die Straße sind es 240 Meilen, also eine ganz schöne Strecke, die wir sicher heute nicht schaffen werden.

Aber der Weg ist das Ziel. So machen wir auch noch einen Abstecher runter zum Colorado River. Je tiefer wir kommen, desto wärmer wird es. Schließlich haben wir 40° auf dem Thermometer. Wohl gemerkt, im Schatten! Ohne Kopfbedeckung draußen und schon hat man nach 10 Minuten Kopfschmerzen und einen Sonnenbrand auf der Kopfhaut. Es gibt einen sehr schönen Campground hier unten, aber leider hat er überhaupt keinen Schatten und da er auch so weit unten liegt und direkt am Ende des Canyon ist es superheiß und es weht kein Lüftchen. Das ist heute Nacht bestimmt nicht angenehm. Also fahren wir weiter und kommen auf unserem Weg auch an den "balanced Rocks" vorbei. Große Felsbrocken liegen auf kleinen "Füßen". Es sieht sehr schön aus. Dies kommt daher, dass der Brocken einst auf dem Boden lag. Dann wird durch Regen und Wind der umliegende Grund abgetragen. Da aber der Brocken seinen Fuß vor Regen schützt, bildet sich mit der Zeit ein "balanced Rock". Aber das wird nicht immer halten, mit der Zeit (so in einigen hundert Jahren) verschwindet auch der Fuß und der Brocken liegt wieder auf der Erde. Und dann kann das ganze Spiel von vorn beginnen. Wir verlassen diese Reservat-Straße und kehren zurück zur Hauptstraße - weiter Richtung Grand Canyon Süd. Unterwegs gibt es weder einen RV-Park noch einen Campground. Als es zu dämmern beginnt, suchen wir uns einen großen Parkplatz und bleiben dort stehen. Trotz der Nähe zur Straße ist die Nacht ruhig.

28.9.2015 Grand Canyon South

Wenn man diese Seite vom Osteingang erkundet, liegen 23 Meilen mit diversen Aussichtspunkten bis zum Erreichen von Grand Canyon Village vor einem. Diese Strecke kann sowohl mit dem Privatauto befahren werden oder man steigt in den Shuttlebus. Da wir "durch" den Park müssen - die 64 ist ein ganz normaler Highway - fahren wir mit  zahlreichen Stopps bis zum Groß-Parkplatz am Visitor Center. Hier müssen alle parken, die mit dem Shuttle-Bus zum westlichen Aussichtspunkt fahren wollen. Wir stellen fest, dass wie einmal umsteigen müssen. Los gehts mit der blauen Buslinie, die innerhalb des Village fährt. Am Ende steigen wir in die rote Linie, die westwärts fährt. Es sind zwar nur 8,8 km bis ans Ende, aber es gibt 9 Haltestellen = Aussichtspunkte auf der Strecke. Wir wollen zumindest eine Haltestelle laufen und suchen uns, unserer Meinung nach, das spektakulärste Stück von 1,3 km aus. Es geht, mal wieder, immer an der Felskante entlang. Es ist heute nicht so warm, nur 25° Grad, aber da die Busse klimatisiert sind, empfinden wir es draußen wärmer als bisher. Um 14.30 Uhr Parkzeit sind wir wieder am Auto und machen uns auf den Weg Richtung Flagstaff. Wir wollen nicht im Park übernachten und auch nicht in Grand Canyon Village, wo wir 2008 auf dem RV Park waren. Daher entscheiden wir uns - mal wieder - für einen Campground auf BLM-Land. Erstens mehr Natur und zweitens weniger Amerikaner. 

Um 17.00 Uhr haben wir unseren Platz gefunden und der Grill ist auch schon an. Wir sind heute ein bisschen geschafft. Hermann musste gestern ordentlich Kilometer machen und heute gab es viel zu sehen. Also machen wir es uns heute abend gemütlich.

29.9.2015 Über Flagstaff Richtung Las Vegas

Steinwüste haben wir jetzt genug gesehen, jetzt soll es mal wieder staubige Wüste sein. Also machen wir uns zuerst einmal auf nach Flagstaff, der nächst größeren Stadt mit "ordentlichen" Supermärkten. Unser Freund hat mich heute gefragt, wo denn die Amerikaner einkaufen, wenn es bei ihnen im Ort keinen gut sortierten Supermarkt mit. Den vollgepackten Pick-ups nach zu urteilen, fahren diese wohl einmal wöchentlich oder wie oft auch immer zum nächsten Supermarkt - denn der kann schon mal 150 Meilen weg sein. Ansonsten wird der tägliche Bedarf an trinkfertigem Kaffee, allen möglichen Snacks und anderen Getränken in der Tankstelle des Ortes gedeckt. Wir kaufen auf alle Fälle in Flagstaff mal wieder italienische Salami, französischen Schimmelkäse und schweizer Käse ein. Scheiben-Schmelzkäse gibt es in 10-Meter-Regalen und ab einem halben Kilo pro Paket aufwärts. Ebenso Truthahnbrust in Scheiben, Pastrami (unserem Roastbeef ähnlich), Hähnchenbrust in Scheiben. Aber auf jeder Verpackung steht "water added". Was das heißt, haben wir letztens beim Braten des Bacon gemerkt. Dieser geht zu einem Drittel seiner Größe ein und die halbe Pfanne ist voll Wasser. Es wird auch ausdrücklich empfohlen, ihn vorher auf Küchenpapier zu legen und nach dem Braten nochmals. Auch sind alle Wurstwaren extrem haltbar gemacht. Aufgeschnittene Hähnchenbrust z.B. ist auch nach 10 Tage in der geöffneten Verpackung noch wie neu. Wie geht das? Keine Ahnung! 

Dann hatten wir seit drei Tagen mit unserer amerikanischen Telefonkarte keinen Empfang. Also mussten wir noch einen AT&T-Laden finden. Der junge Mann im Laden hatte das Problem, dank seines Computers, schnell gelöst und nun läuft alles wieder bestens.

Wir wollen schnellstens nach Las Vegas, wo Claus und Viola seit ein paar Tagen auf dem Koa-Campground beim Circus Circus stehen. An ihrem Wohnmobil war etwas an der Kupplung defekt und sie mussten auf ein Ersatzteil aus Deutschland warten. Nun ist aber wieder alles ok und wir haben heute per whatsapp Kontakt gehabt und sie wollten eigentlich morgen weiter fahren. Aber da wir nun auf dem Weg sind, warten sie bis wir da sind. Wir fahren ein ganzes Stück auf der I-40 bis Seligman und biegen dann ab auf die alte Route 66. Nirgendwo auf der Welt sieht man so viele Harley-Davidson wie hier. Bei Kingman hört die 66 erst einmal auf und wir biegen sowieso ab auf die 93 Richtung Las Vegas. Kurz nach dem Abzweig gibt es eine Recreation Area, auf der wir heute übernachten.


30.9.2015 Las Vegas

Die letzten 70 Meilen bis Las Vegas sind schnell gefahren und dank TomTom ist auch das Auffinden des RV Parks am Circus Circus kein Problem. Wir stehen direkt unter dem Stratosphere Tower,wo sich die Leute, die sich trauen, den ultimativen Adrelanin-Kick holen. In über 250 Meter Höhe fährt Insanity, eine Art Karusell mit Schwenkarmen weit über den Rand der Plattform hinaus. Der RV Park besteht aus einer riesigen Betonplatte (schön heiß!), ist aber halt auf dem Strip, so dass unserem gemeinsamen Ausflug ins Nachtleben nichts entgegen steht. Nachmittags läßt es sich bei fast 40° im Schatten nur unter der Markise und bei süßem Nichtstun aushalten. Aber wenn die Sonne unter geht und die Lichter an, dann kommen alle in die Gänge. Es wird zwar nicht kühler, aber wir machen uns fertig und nehmen vor dem Hotel ein Taxi bis ans andere Ende vom Strip. Wir wollen nämlich zu Fuß zurück gehen. Wir kommen an all den berühmten und bekannten Hotels vorbei und und schauen auch einige von innen an. Eins übertrumpft das Andere, jeder will die schönste Dekoration, die schönsten Lichteffekte, das größte Casino, die leckersten Drinks etc. haben. Von der Außenschau hat uns am besten die Wasserspiele zu jeweils anderer Musik gefallen. Einen Film, gedreht mit unserer kleinen Taschenkamera, haben wir mal online gestellt. Im Wynn bewundern wir die Blumendekoration und endlich widmen wir uns auch mal den einarmigen Banditen. Aber nur weil die Füße wehtun und wir Durst haben. Um 2 Uhr morgen sind wir wieder am Stellplatz. Es gibt noch ein kaltes Absacker-Bier und dann ab in die Betten. Obwohl von der Temperatur her, hat eigentlich keiner Lust, jetzt auch noch unter eine Bettdecke zu schlüpfen. Es sind immer noch über 30°.


1.10.2015 Hoover Dam und Valley of Fire

Der Hoover Dam liegt nur 49 Meilen vor Las Vegas. Dahin wollen wir heute. Claus-Dieter und Viola wollen Richtung Küste. Lt. Viola darf Claus-Dieter erst anhalten, wenn die Temperaturen unter 25 Grad liegen. Da muss er ein ganzes Stück nach Westen! 

Wir fahren zurück (ostwärts) und leider steigern sich bei uns die Grade noch. Es ist 11.00 Uhr als wir die Einfahrt zum Damm passieren. Nach dem 11/9 wurden hier die Sicherheitsvorkehrungen verdreifacht, jetzt ist hier eine Kontrollstation, wie an intern. Flughäfen. Das Fahrzeug wird sogar von innen kontrolliert. Danach fahren wir über den Damm und suchen den RV-Parkplatz auf. Von dort ist es ein ganz schönes Stück den Berg runter zum Damm. Ich vergesse mal wieder meine Kappe. Hermann hat seine zwar dabei, aber es geht so ein starker Wind, dass alle ihre Kappen oder Hüte in den Händen tragen. Eigentlich wollten wir eine Führung an den Fuß des Damm mitmachen, aber es ist so heiß, dass wir uns ziemlich schnell wieder auf den Weg zum Auto machen. Weiter gehts immer am Staubecken entlang, Richtung Valley of Fire. Dieses Tal heißt so, weil die umgebenden Felsen in allen möglichen Rot-, Rose- und Violett-Tönen erstrahlen. Außerdem gibt es hier, die angeblich schönsten Campingplätze im Westen der USA. Wir sind vom Tal, wie auch von dem Campground begeistert. Jeder Platz ist hier riesig und man kann, Trittsicherheit vorausgesetzt, die vor der Tür liegenden Felsen erklettern und hat dann einen großartigen Ausblick auf Sonnenauf- oder Untergang.


2.10.2015 Über Las Vegas nach Californien

Heute morgen geht es Richtung Californien. Aber bis wir dort sind, dauert es noch eine Weile. Wir fahren über Las Vegas auf die Interstate 15, d.h. es geht Meile um Meile an Militärstützpunkten entlang. Die an der Interstate liegenden Ortschaften beherbergen die US Army Soldaten aller Waffengattungen. Es gibt eine Air Base, eine Naval Base und eine Weapon Base. Alle drei sind sehr groß und daher erstreckt sich das ganze über fast 200 Meilen. Es ist mal wieder lecker warm. Da die I-15 auch immer an der Mojave Wüste vorbeiführt, fällt das Thermometer nicht unter die 38°-Marke. Es reicht uns langsam. Wir freuen uns auf den Sequoia Nationalpark, denn der liegt auf der Westseite der Sierra Nevada und da ist es mit Sicherheit kühler. Gegen Abend finden wir eine nette Rest-Area, die sogar mit Bäumen begrünt ist und wo man sogar duschen kann. Es ist auch nachts wieder sehr warm.