7.6.-10.6.2015


Heute verlassen wir den Jasper Nationalpark. Die Ausläufer der Rocky Mountains begleiten uns noch ein ganzes Stück.Kaum haben wir den Highway 40, auch genannt Bighorn Hwy, erreicht, nimmt der LKW-Verkehr wieder zu und die Anzahl der Wohnmobile drastisch ab. Ab hier beginnt die Route nach Norden und die nimmt kaum einer, der nur 14 Tage oder drei Wochen Urlaub hat. Wir unterhalten uns, dass wir heute noch keine Tiere gesehen haben und schon geht es los. Erst Mutter-Ziege mit 2 Kindern, dann Schwarzbär von rechts nach links über die Straße und ein Stück weiter, noch einmal ein "fotoscheuer" Schwarzbär. Es ist lustig anzusehen, wenn ein  Fahrzeug hält, wie schnell sich hinter ihm eine Schlange bildet. Alles hält an und schaut, welches Tier der Erste entdeckt hat. Nur Fahrzeuge, die mit Chinesen gefüllt sind, rasen vorbei und "schießen" während der Fahrt ein Foto. Ist ja auch klar, die machen sicherlich ganz Nordamerika in 14 Tagen. Da muss man sich beeilen. 

Die Kanadier fahren in der Mehrzahl sehr vorsichtig und rücksichtsvoll. Vor allem Füßgängern wird stets "Vorfahrt" eingeräumt. Auf den einspurigen Highways sind in der Regel 90 km/h erlaubt. Und alle halten sich daran. 

Gegen Abend, wir haben die schneebedeckten Gipfel hinter uns gelassen, finden wir einen schönen, ruhigen Stellplatz an einem Fluss. Die Nacht ist sehr ruhig.


8.6.2015 

Wir müssen tanken! In 45 km kommt die nächste Tankstelle und wir fahren ran, da wir ziemlich leer sind. Man muss hier erst seine Kreditkarte an der Tanksäule einstecken, dann bestimmen für wie viel Dollar man tanken will. Dann läuft die Prüfung der Karte, bis man den Hinweis bekommt, jetzt den Zapfhahn anzuheben und den Knopf für den gewünschten Kraftstoff zu drücken. Und schon geht's los. Heute kostet der Liter 1,07 CAD, das entspricht in etwa 80 Euro-Cent. 

Das Wetter - ist wie fast immer - sonnig, aber auch sehr windig. Als Hermann den Zapfhahn wieder einhängen will, tropft dieser sehr nach. Und der Wind treibt die Tropfen auf Hermanns Hose und direkt noch auf meine. Ich stand nämlich direkt neben ihm, um den Beleg aus der Zapfsäule zu nehmen. 

Na prima, da fängt der Montag gleich gut an! 2 x Hosenwäsche bitte!

Was sagt mein Mann, der seine Outdoor-Abenteuer-Wilderness-Hose trägt: Das sind doch nur unten die Beine! Die mache ich jetzt ab und dann brauchst Du auch nur die zu waschen! Typisch!? 

Aber da kommt er natürlich nicht mit durch. Die Hose steht sowieso schon fast von alleine, da er sie ja schon seit fast 3 Wochen trägt. Wenn es nach ihm geht, kann man die ohne weiteres ein ganzes Jahr ohne zu waschen tragen!

Mittags erreichen wir Dawson Creek: Mile "0" des Alaska-Highway. Wer die Geschichte nicht kennt: Nach dem Angriff auf Pearl Harbour meinten die Amerikaner, sie müßten unbedingt eine Straße in den Norden bauen, um auch diesen im Angriffsfall gegen die Japaner verteidigen zu können. Im März 1942 begannen sie mit dem Bau dieser Straße und im September 1942 war der "Alaska-Highway" fertig. Unglaubliche 2.450 km lang! Bis heute wird daran "verbessert", d.h. alles was festgefahrene Erde war, wurde hell asphaltiert, was hell asphaltiert war, wird heutzutage schwarz geteert und man kommt sich vor, wie auf einer deutschen Autobahn - nur viel, viel leerer!

Wir versorgen uns in der Touristen Information mit Info-Material und wollen auch weiter. Weil das Städtchen hat an sich - außer vielen Supermärkten und Tim Horton's, Starbucks, MacDonalds etc. - nichts zu bieten. Weiter geht's nach Fort St. John, wo wir noch einkaufen und übernachten wollen. Wir finden Walmart und mit uns übernachten hier mindestens 20 Wohnmobile. Einige Kanadier, einige Amerikaner. Wir sind das einzige deutsche Auto und das findet natürlich Interesse. Hermann wird von einem amerikanischen Ehepaar angesprochen. Wie immer die selben Fragen: Ist das Auto wirklich aus Deutschland hierher gekommen? Wenn ja wie? und so weiter. Die beiden sind aus Californien und wollen auch nach Alaska. Sie haben einen Allrad-Pick-Up mit einer Aufsetzkabine. Oben auf dem Dach liegen die Kanus, hinterher wird ein Gelände-Buggy gezogen, so einer mit Drahtkorb über der Fahrerkabine. Wir nennen die Dinger mittlerweile "Schlammsucher". Das scheint nur Spaß zu machen, wenn der Buggy und die Menschen darin, schön mit Matsch überzogen sind. Vorne am Pick-Up hängen noch 2 Fahrräder. Wir hätten zu gerne ein Foto gemacht, aber fanden es dann doch etwas peinlich zu fragen. Egal, die beiden sind echte "Wilderness-Sucher". Die werden Straßen fahren da brauchen wir gar nicht drüber nachzudenken. 


9.6.2015

Der Highway hat hier noch nicht viel zu bieten und das wird sich auch Weiter geht's Richtung Fort St. John.Der Highway hat bisher nichts zu bieten und das wird sich die nächsten 2 Tage nicht ändern. Auf den ersten 1000 km nur Natur und eine kerzengerade Straße, unterbrochen von Öl- oder Gas-Feldern der großen Betreiber. Die holzverarbeitende Industrie arbeitet mehr im Hinterland, sie fallen nur auf, durch die mit Stämmen beladenen LKW. Alle 150 - 200 km kommt ein Roadhouse, wo man tanken kann, übernachten und natürlich Grund-Nahrungsmittel kaufen. 

Heute morgen sprach uns ein chinesisches Ehepaar an. Hotelbesitzer aus Californien (mal wieder!). Sie sind mit einem kleinen WoMo auf Mercedes-Basis unterwegs nach Alaska. Auch hier die Frage: Wie kommt das Auto hierher?. Wieder Seabridge Karte weitergegeben und alle Infos. Weil - sie wollen unbedingt einmal mit ihrem Auto nach Europa.

Zum Schluß empfiehlt er mir noch eine App, die alle Camp- und RV-Übernachtungsplätze in Canada und Amerika enthält. Vielen Dank an Philip und Nina dafür. 


Wir treffen WoMo-Fahrer aller Nationen, mit kleinen und ganz kleinen und großen und ganz großen Womo's. Aber alle verstehen sich und helfen sich. Bisher war noch kein unliebsamer Zeitgenosse darunter.

Heute übernachten wir auf einer Passhöhe bei 1.200 m. Die Aussicht ist grandios und die Staubentwicklung auch. Rechts der Straße können die LKW-Fahrer übernachten und links die Wohnwagen und Wohnmobile. Die Farbe der Fahrzeuge kann man nur noch grob schätzen, alle sind mit dem allgegenwärtigen Staub überzogen. Unser Auto ist dazu noch ein großer "Leichenwagen". Unsere Front ist rot - so viele Insekten haben wir "eingesammelt". Hoffentlich sind ein paar Mücken dabei, die können uns dann schon mal nicht mehr stechen! 


10.6.2015

Es geht weiter Richtung Muncho Lake.Ein wunderschöner Abschnitt von 200 km, auf dem wir erstmals Caribus sehen. Alle Tiere spazieren über die Straße, d.h. man muss extrem aufmerksam sein und vorsichtig fahren. Plötzlich bremst Hermann ab, weil mitten auf der Straße eine Fasanen-Mama mit mindestens 15 winzigen Küken auf der Straße steht. Die Mutter will sich nicht wegrühren, bevor nicht das letzte ihrer Kinder die Straße überquert hat. Hinter uns hält ein Wohnwagenfahrer, der die Tiere auch gesehen hat. Ich bin ausgestiegen und will ein Foto machen. Es sind immer noch 3 Kleine auf der Straße. Plötzlich kommt von hinten ein LKW angesaust! Schnell scheuche ich die Kleinen weiter, das letzte muss ich sogar von der Straße tragen. Dann endlich bequemt sich auch Mutti auf den Seitenstreifen. Der LKW-Fahrer zeigt uns einen Vogel und regt sich fürchterlich auf, daß er von seinen 105 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit runterbremsen musste. Bei ihm wäre eine ganze Familie ausgelöscht worden. So, für heute also eine gute Pfadfindertat vollbracht. 

Heute wird wieder getankt und bei den unterschiedlichen Qualitäten an Diesel-Kraftstoff, die hier angeboten werden, füllt Hermann bei jedem 2. Mal tanken ein Additiv dazu. Das ist für unsere europäischen Motoren besser. Trotzdem haben wir ständig einen um 1-2 Liter höheren Verbrauch als in Europa. 

Am frühen Nachmittag erreichen wir den ProvincalParkCampground am Muncho Lake. Die Stellplätze der PP haben keinerlei Infrastruktur, es sind einfach nur wunderschöne Plätze in der Natur. Wir stehen direkt am See. Leider ist das Wetter nicht so toll und abends und nachts regnet es auch.

Direkt neben uns steht ein deutscher Phoenix. Das gleiche Fahrzeug wie unseres. Das Ehepaar bleibt insgesamt 2 Jahre und will ein ganzes Stück die PanAmericana fahren. Zurück soll es ab Buenos Aires gehen. 

Hermann und ich denken, dass die nicht so weit kommen werden. Denn schon jetzt klagt die Frau darüber, wie sehr sie ihre Kinder vermisst. 

Die Beiden sind immerhin "schon" 6 Wochen unterwegs! Pläne sind dazu da, um geändert zu werden. Man wird sehen!