27.5.2015

Ein neugieriger kanadischer Police Officer....

Nachdem wir den Großraum Toronto auf dem Hwy 417 nordwärts verlassen, leuchten auf einmal hinter uns die bubblegum-lights eines Polizei-Fahrzeugs auf. Ein kurzer Sirenenton und wir wissen, dass wir gemeint sind. Hermann fährt also vorsichtig rechts ran und das Polizeiauto hält hinter uns. Da wir aber auf dem Seitenstreifen stehen und an uns der laufende Verkehr vorbei rast, dauert es einige Minuten bis der Officer bei unserem Fahrzeug ist. Er bittet uns etwas weiter zu fahren, wo mehr Platz für ihn ist. Er fühle sich nicht sicher. Also fahren wir 300 m weiter in die nächste Ausfahrt hinein und halten wieder an. Polizeiauto stoppt wieder hinter uns, Polizist kommt wieder zu unserem Fahrzeug. Wir sitzen brav in unserem Auto mit "sichtbaren" Händen. Der Officer fragt freundlich wo wir her kämen. Er hätte noch nie solch ein Nummernschild gesehen. Wir erzählen ihm also, woher wir kommen, was wir machen wollen etc. Er ist sehr interessiert und fragt zwischendurch immer wieder nach. Nach ca. 5 Minuten weiß er alles und erzählt uns nebenbei, ob wir wüßten, dass wir uns auf einem tollway befinden? Nö, die Schilder hätten wir nicht gesehen! (Haben wir schon, aber uns flott darüber hinweg-gesetzt). Es könne sein, dass wir die Rechnung nach Hause bekämen. Oder vielleicht auch nicht, denn die Betreibergesellschaft kenne nur kanadische und US-Kennzeichen. Dass die deutsche Kennzeichen erkennen könnten, glaube er nicht. Auf unsere Frage, ob wir lieber die andere Autobahn benutzen sollten, antwortet er uns, wir sollten jetzt hier weiterfahren. Das wäre schließlich schneller und kürzer. Wie recht er hat. Ein freundlicher Griff an seine Mütze und ein "Keep goin". 


Wir übernachten nach Möglichkeit in den Provincial Parks oder National Parks. Dort sind - fast immer - wunderschöne Campgrounds integriert. Direkt an einem See oder mitten in einem Wald - Natur pur. 

Die nächsten Tage sind sonnig und sehr warm. Und deshalb gibt es auch morgens und abends Mücken und tagsüber beißende Fliegen. Also morgens schon mit "Off" einsprühen und hoffen. Hermann hat wie immer sein Hinweisschild dabei: "Mücken und Fliegen zu Jutta". Und ich sehe mittlerweile aus wie ein Streuselkuchen. Überall gestochen. Sogar durch die Jeans in die Pobacke. NICHT LUSTIG! 

Gott sei Dank jucken die Stiche nicht so wie bei uns. Es zwiebelt eine halbe Stunde und dann ist es gut. Aber die Stiche sieht man tagelang. Aber es fällt keinem auf, denn hier laufen alle so rum. AUSSER SIE HEISSEN HERMANN! Der hat sein Schild.

Wir machen noch einen Zwischenhalt in St. Marie of the Hurons. Eine ehemalige Missionars-Station zur Christianisierung der Huronen-Indianer aus dem 17. Jh. Sie ist originalgetreu nachgebaut und wird

von jungen Kanadiern in Originalkleidung der damaligen Zeit erklärt. Dann geht's weiter. Wir wollen "Strecke machen!" 

Es folgen einige hundert Kilometer ohne jegliche Sehenswürdigkeit - ausser natürlich Natur pur.

Wir sehen einen Elch am Strassenrand und einen Schwarzbären bei der Straßenüberquerung. Aber natürlich ist die Kamera nicht so schnell einsatzbereit.

Im Rainbow falls provincal park laufen wir 189 Stufen hinab bis zu einer Holzbrücke über den Kaskaden. Heute sind es nur 4°, aber sonnig. Beim Rückweg, die Stufen wieder hínauf, wird uns aber ganz schön warm. 

Weiter gehts Richtung Provinzgrenze. Ontario hat auf den letzten 800 km nichts mehr zu bieten. Wir sind jetzt - 30.5.2015, 14.30 Uhr - 40 km vor Thunder Bay. Dort wollen wir noch einkaufen. Das wird für einige Zeit die letzte Möglichkeit in einer größeren Stadt sein. 


Wir machen uns so unsere Gedanken über das Equipment eines normalen Kanadiers. Wir machen mal eine Aufstellung (aus den Beobachtungen rund um die Häuser):

1. Land, möglichst viel

2. Haus, am besten Modul-Bauweise, da kann man immer anbauen

3. Nebengebäude, da das Haus keinen Keller hat

4. mindestens 3 Autos vor dem Haus

   einen Pick-up (für den Herrn des Hauses)

   einen family-van (für die Mutter)

   und einen Sportwagen (für die älteren Kinder)

   und jede Menge Fahrräder, Kinderspielzeug, einen pool (aufblasbar) und ein Riesen-Trampolin

5. einen Sitz-Rasenmäher

6. einen Hand-Rasenmäher (für Muttern, die mäht die kleine Hauswiese)

7. ein Boot zum Fischen

8. ein Boot zum Wasserski fahren

9. die entsprechenden Trailer

10. einen Hänger (zum Holz holen und das sonstige Equipment zu transportieren)

11. ein Quad (ganz wichtig, um durch die Wälder und den Matsch zu fahren; manchmal sogar 2 oder 3        davon) 

12. mehrere ski-bobs für den Winter

13. einen fifths-wheeler (Wohnwagen-Anhänger) der mit dem Pick-Up gezogen wird.


Das ganze wird rund ums Haus aufbewahrt. Vieles 2 oder 3fach. Was nicht mehr gefällt oder benötigt wird, wird am Straßenrand zum Kauf angeboten. 

Eigentlich haben die gar keine Zeit zum Arbeiten. Die müssen doch ihre gesamte Freizeitausrüstung auch nutzen. 


31.5.2015 - Sonntag - Quer durch Manitoba und Sasketchewan

Die Tage gehen hier so schnell vorbei, obwohl es abends bis fast Mitternacht hell ist. Wir nutzen die Helligkeit um zu fahren. Gestern hat Hermann sogar nach dem Abendbrot noch - mal eben -100 km abgespult. Wir fahren täglich um die 500 km - mit Zwischenstops an look-outs oder einem kleinen Provincal park, wo es entweder eine Schlucht oder einen Wasserfall zu bestaunen gibt. Wir haben auch die old-woman-bay besucht. Eine Badebucht, wie in der Karibik, es fehlen nur die Palmen! Und die Temperaturen, ha ha! Die letzten beiden Tage waren es nur max. 9°, aber es scheint immer die Sonne! 

Wir fahren fast immer parallel zur Eisenbahn und zur Stromleitung. Wer von den Dreien - Bahn, Straße, Stromleitung - war wohl zuerst da? Wir haben darüber in unseren Büchern nichts gefunden. Unterbrochen wir die Eintönigkeit durch die LKW's, die hier Tag und Nacht fahren. Aber auch die müssen - wie bei uns - ihre Ruhezeiten einhalten. Nur wird es ihnen sehr schwer gemacht, einen vernünftigen Übernachtungspunkt zu finden. Entweder an den Tankstellen mit Truck-Stops (davon gibt es allerdings nicht sehr viele) auf den Picnic-Areas (wie wir)oder in den Nothaltebuchten. Aber immer liegen 100-150 km dazwischen, wo sie keinerlei Möglichkeit zum Halten haben. Das Land bietet so viel Platz, aber dafür scheinbar nicht. 

Gestern haben wir das Denkmal von Terry Fox besucht. Einem jungen Mann, der an Krebs erkrankte, mit 18 sein rechtes Bein verlor und daraufhin beschloß, trotz seiner Krankheit den kanadischen Kontinent zu durchlaufen. Er startete auf Neufundland und kam bis kurz vor Thunder Bay, dann musste er aufgeben und starb kurz darauf. Aber immerhin kamen an Spendengeldern, allein in Kanada, 24 Millionen Dollar für die Krebsforschung zusammen. Und er wurde posthum in die "Sports Hall of Fame" aufgenommen.


Nun liegen wieder 800 km vor uns bis zur nächsten Sehenswürdigkeit, kurz hinter Winnipeg: Der Riding Mountain National Park!   

 


So, jetzt noch ein paar unsortierte Eindrücke der letzten Tage!

3.6.2015

Jetzt sind wir kurz vor Calgary! Grenze Sasketchewan und Alberta.

Da waren keinerlei Sehenswürdigkeiten mehr unterwegs. Wir spulen jetzt den 4. Tag hintereinander Kilometer ab. Quer durch Weizenland-County (Manitoba) und Rinderzucht-County (Sasketchewan). Mehr gibt es hier auch nicht zu sehen. Und einige LKW's - wohl ebenfalls auf dem Weg nach Alberta. Trotz der Eintönigkeit ist es ein wunderschönes Land. Der Blick geht bis zum Horizont und wird durch nichts abgelenkt. 

 

Wir möchten uns noch auf diesem Wege für die lieben Einträge in unserem Gästebuch bedanken. Wir sind immer ganz gespannt, wer jetzt mitgelesen hat und uns Grüße hinterlassen hat. Un jo, mer verstonnt auch Koschenbroscherich!

Wir warten dann in Vancouver auf D+MP. Die Rückbank ist reserviert für Euch!

Stefan, Dir noch einmal lieben Dank für den Tip mit der Antenne. Funktioniert ausgezeichnet! 

Hier am Grenzübergang haben wir noch den Bau einer Erdmännchen-Familie gesehen. 

Bein nächsten Mal gibt's auch ein paar Info's über die Spritpreise hier.